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10 Jahre
MS-Diagnose
Anfang
August 2010. Zehn Jahre sind es her, daß in der Kamillus-Klinik in
Asbach mein erster Aufenthalt anläßlich des sogenannten Diagnoseschubes
stattfand. [ KLICK
]
Seit dem ist viel geschehen. Hat sich mein Leben grundlegend verändert.
Auch von meinem früheren Umfeld ist niemand übrig geblieben.
Da waren drei junge, wohlgenährte Damen im heutigen Alter zwischen 25
und 34 Jahren, falls sie noch leben sollten, die ich mit großgezogen
hatte. Mit viel Fantasie kann ich ihnen die Bestnote in Sachen
Ehrlichkeit vergeben, dafür daß sie ohne erkennbaren Anlaß vor Jahren
den Kontakt zu mir abbrachen. In Bezug auf emotionale- und soziale
Kompetenz ist das nicht unbedingt das, was ich ihnen vorgelebt habe.
Aber rein rechnerisch bin ich auch für 50% ihrer Gene nicht
verantwortlich...
Aber das Leben hatte für mich auch eine positive Überraschung bereit.
Ich empfinde es als großes Glück, meine jetzige Frau kennengelernt zu
haben. Nicht nach Nützlichkeit bewertet zu werden, sondern mit
größtmöglicher Übereinstimmung in Harmonie und auf gleicher Augenhöhe
dieses Leben zu verbringen, war und ist für mich völlig neu und
beglückend.
Zwar ist mein körperlicher Status nicht so zum Angeben. Aber auch
überwiegend im Rolli sitzend, mit Pflegestufe und
Behindertenparkausweis ist man noch lange nicht tot. Kann das Leben
mächtig Spaß machen...
Irgendwelche Medikamente gegen MS nehme ich schon lange nicht mehr ein.
Wozu auch? Deutschland ist nach wie vor vom möglichen
Absatzvolumen und den erzielbaren Umsätzen her für die Pharmaindustrie
ein Schlaraffenland. Deshalb werden auch heute noch immer MS-Erkrankte
von allen Seiten mit sanftem Druck zu so genannten Basistherapien
genötigt. Dabei spricht das Ergebnis einer
britischen Studie wegen mangelhafter, bzw. schädlicher Wirkungen
der Medikamente eindeutig dagegen.
Seit etwa zwei Jahren ernähre ich mich "artgerechter", als in früheren
Jahrzehnten. Durch die Reduzierung der Energieaufnahme auf ein
vernünftiges Maß, bin ich zwar kein Leichtgewicht geworden. Das lassen
meine Gene vermutlich auch nicht zu. Aber die paar Kleidungsstücke, die
ich hin und wieder mal einkaufen muß, kann ich überall günstig in einer gängigen Größe kaufen, seit ich für mich entdeckt habe, daß ich mich
nicht ernähren muß, als wäre ich im Steinbruch beschäftigt. Was mich
allerdings nicht davon abhält, drei- bis fünfmal im Jahr eine Portion
Ungesundes mit Pommes und Majo zu genießen.
Als positven Nebeneffekt brachte mir die Ernährungsumstellung trotz
krankheitsbedingtem Bewegungsmangel Herz- und Kreislaufwerte ein, die
vermutlich nicht jeder 56jährige mit 95 Kilo zu bieten hat. Außerdem
benimmt sich meine Diabetes für alte Leute seit dem ziemlich
zivilisiert...
Ansonsten möchte ich die im Laufe der Zeit etwas stärker auftretenden
Beeinträchtigungen durch MS hier ausklammern. Das Restgehvermögen ist
immer geringer geworden. Zudem habe ich das "Glück", daß meine MS
permanent Schmerzen verursacht. Aber in Abwägung der Alternativen habe
ich mich gegen Schmerzmittel entschieden, die mir dann das Autofahren
nicht mehr ermöglichen würden. Und hier auf dem Land, mit null
behindertengerechtem ÖPNV ist es für uns wichtig, beweglich zu bleiben.
Unser gemeinsames Hobby, das Drechseln, bringt für meine Frau und mich
immer wieder Kontakte zu Gleichgesinnten, und neue Impulse. Es bleibt
also spannend... |
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