Holzkugeln

 

 

 

  Kugel-Lager

 

  

Ich habe mein Herz für Kugeln aus heimischen Hölzern entdeckt. Kugeln drehen ist meine Leidenschaft.

Keine Form ist meiner Meinung nach so perfekt, wie die einer Kugel. Sie ist Anfang und Ende zugleich. Sie läßt uns auch die interessanten Strukturen im Holz erkennen. Man schaut dem Holz "unter die Rinde".

Bei der Berührung der verschiedenen Hölzer scheinen Kräfte frei zu werden. Hatten die alten Völker Recht, die in ihren Mythen den einzelnen Bäumen unterschiedliche Heilkräfte zusprachen?

Wenn ich eine Holzkugel mit Ihrer glatten gewachsten oder geölten Oberfläche in den Händen halte, geht es mir gut.

In nächster Zeit werde ich mich verstärkt mit dem Thema  Mondholz befassen. Es scheint etwas dran zu sein, sonst hätte sich diese Tradition nicht über die Jahrhunderte gehalten.

 

 

Vom Stamm zur Kugel  

 

 

 

 
So sehen gaanz junge Kugeln aus...

 

 

 

Hier einige Kugeln, die ich verbrochen habe. Wenn keine Holzsorte dran steht, kann man getrost von "Weiß_ich_nicht_Holz" (WINH) ausgehen. 

Seit ich festgestellt habe, daß auch manche gelernten "Holzwürmer" Schwierigkeiten mit der Holzbestimmung haben, gebe ich diese Wissenslücke hemmungslos zu... 

Gern verwende ich zur Fertigung von Kugeln "gestockte" Hölzer. Das heißt, daß bei der Zersetzung des Holzes ein Pilz interessante Zeichnungen hinterlassen hat.
Durch die teils watteartige Struktur von gestockten Hölzern ist es manchmal nicht so einfach, eine saubere Oberfläche herzustellen.

 

 

 

  Mehr Kugeln

 

 

 

Verschiedene Eichenkugeln

 

 

 

Zwetschgen-Trio

 

 

 

Jemand aus dem Holzfach würde vermutlich zur Kugelherstellung aufgeschnittene, kammergetrocknete Hölzer verwenden. Hat den Vorteil, daß die Kugeln immer gleich, aber in meinen Augen steril aussehen.
Bei Stämmen soll man nach dem Lehrbuch immer Viertelscheite zur Kugelherstellung verwenden. Was sollen das für Riesenbäume sein, wenn ich bis über 40cm Durchmesser arbeiten kann?!

Ich bin aber kein Fachmann, und verwende meist einen Stamm oder ein Stämmchen. Das heißt, der Kern sitzt in der Mitte. So wie der Baum gestanden hat. Der Nachteil dieser Hölzer ist, daß das Holz beim Trocknen kleiner wird. Es schwindet im Umfang mehr, als in Längsrichtung. Das kann auch mit heftigen Rissen verbunden sein.

Auch Hölzer haben ein Temperament. Es gibt "brave", die nach der Bearbeitung bleiben, wie sie sind. Und es gibt "wilde" Hölzer.
Ein Beispiel ist die Kugel aus einer Kirsch-Astgabel. Hatte sie vor etwa einem Jahr gedreht. Über die Monate immer wieder geschliffen und geölt. Sie war heftig gerissen. Es sind teils Urgewalten in den Hölzern.

Meine Kirschkugel war durch den Trocknungsprozeß über die Monate zu einem Ei geworden. Also nochmals die fertige Arbeit auf die Drechselbank gespannt, und wieder eine Kugel draus gemacht. Vielleicht gibt das Holz ja jetzt Ruhe... Persönlich mag ich solche widerspenstigen Hölzer. Ist mir nicht ganz unähnlich...

Habe jetzt meinen Hauklotz aus Douglasie auf die Bank gespannt. Knochentrocken, das Holz splittert bei der Bearbeitung. In der Mitte hat schon der Zersetzungsprozeß des Holzes begonnen. Dazu hat das Ding noch acht (!) Äste.

Solche Kandidaten sind eine Herausforderung für mich, da das Holz während der Bearbeitung stabilisiert werden muß, damit es auf der Drechselbank nicht auseinander fliegt.

Ich denke, aus meinem Hauklotz wird einmal ein charaktervolles Kügelchen mit 20,5cm Durchmesser...

 

 

 

 
8,3cm Kugel aus WINH-Astgabel

Kugel aus Kirsch-Astgabel 10cm

Gestockte 11cm-Kugel aus Premium-WINH
Eiche, 11,5cm

Goldregen, 12 cm

Douglasien-Kugel, 12,5 cm durch Mitnehmer-Abdruck "gezeichnet"

Birke, gestockt, 12,5 cm

WINH, 13,5 cm
   
Kirsche, 14 cm

  
WINH 16,5 cm mit offenem Herzen
  
  
    
Nußwurzel gedämpft, 17 cm

Esche, 17,5 cm   
  
Apfel,
20 cm

Ich war ein Hauklotz ;-)
Nußwurzel, gedämpft unbehandelt, 23 cm
Thuja, 26 cm
 
Weide, Astgabel, 27 cm

Fichte, 31 cm

 

Da war dieses alte Bauernhaus. Hatte schon ein paar Hundert Jahre auf dem Buckel. Ein Stück von seinem alten Eichenbalken wurde zur Kugel mit Sockel.

War nicht so ganz einfach zu drechseln. Innen war der Balken zwar noch einigermaßen fest, aber die äußeren Holzschichten flogen mir beinahe um die Ohren.

Es hat etwas länger gedauert, als üblich. Mußte auch die Trick-Kiste öffnen. Aber es hat sich gelohnt, oder?

 

 

 


Kugel Eiche mit Sockel, Kugel 18 cm, Gesamthöhe 29 cm 



Bericht von Christian Bernhardt über die Herstellung einer Kugel (.pdf-Datei ca. 4,5 MB)

 

 

Ich sprüh's an jede Wand: Auch kleine Kugeln braucht das Land! Auf vielfachen Wunsch des Publikums, und mit tatkräftiger Unterstützung durch meine Frau, entstehen immer wieder Kugeln auch in einraumwohnungstauglichen Größen...

 

 

 

Bei Kugeln des Kalibers, wie ich sie gern anfertige, fängt die Arbeit, wenn man so will, erst nach der Herstellung an.

Oft sind die Rohlinge von dieser Dimension nicht so trocken, daß das Holz ruhig ist, und rißfrei bleibt. Einmal habe ich mich in meiner Anfängerzeit bald unter's Sofa geworfen, weil eine Kugel mit einem derartigen Knall gerissen ist, daß ich instinktiv an den Einmarsch von Einheiten des Warschauer Paktes dachte...

Meistens gelingt es mir, den Freiheitsdrang der Kugeln mittels Spezialklebers im Zaume zu halten. In der Praxis sieht das dann so aus, daß ich die Kugeln in Etappen an das Wohnungsklima "gewöhne".


Risse in einer Thujakugel während der "Behandlungsphase"


Zuerst bleiben sie in der kühlen Werkstatt. Je nach Trockengrad kommen sie dann in der Wohnung zunächst in schwach geheizte Räume, bis sie dann trocken genug sind, um unbeschadet in Wohnräumen aufgestellt zu werden.

Bei "Wunschkugeln", die ich Baumbesitzern fertige, heißt meine strikte Anweisung bei der Übergabe:" Keine geheizten Räume, kein Durchzug, keine direkte Sonneneinstrahlung!"

Wer es ganz genau machen will, kann die Kugeln wiegen, und so den Gewichtsverlust durch den Trockenprozeß ermitteln. Für die meisten Kugeln der letzten Zeit benötige ich dazu eine Personenwaage. Der 40cm Eichenrohling wog 56 kg... 

Bis eine Kugel so ist, wie ich sie haben will, benötige ich bis zu einem Jahr. In dieser Zeit werden Risse geklebt, die Oberfläche immer wieder feinstgeschliffen und geölt.

Holz ist eben ein Naturprodukt, das nicht wie Stahl oder Kunststoff immer rißfrei bleibt. Manche Risse verändern Kugeln so, daß sie wesentlich interessanter wirken, als vorher. Wenn ich so in den Spiegel schaue, habe ich auch schon ein paar Risse... 

 

 

 


Rotdorn-Wurzel, 33 cm

 

 

 

Meine bisher größte Kugel ist jetzt fertig geworden. Sie hat 39cm Durchmesser, und ist aus Eiche. Gewichtsmäßig war es für mich fast das Ende der Fahnenstange. Aber für mich sind Grenzen da, um gelegentlich in Frage gestellt zu werden...


Eiche 39cm. Gewicht nach der Fertigstellung: 32 kg



Detail Eichenkugel, 39cm



Man wächst mit der Aufgabe, sagt man. Mein Körper vermutlich allerdings nicht. In absehbarer Zeit werde ich sicher wieder vernünftig. Die 50cm Kugel, also die zweitgrößte, wiegt knapp 50kg...




Die aktuellen Kugeln haben bis 60 cm Durchmesser. 70 cm dürften mit meiner Drechselbank möglich sein. Schau'n 'mer 'mal...



 

 

 
 

© Peter F. Wermeister 2006 - 2010

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