Drechselbank

Mit einem für mich nicht unerheblichen finanziellen Aufwand habe ich die Drechselbank an meine steigenden Bedürfnisse angepaßt. Leider war dies ein dorniger Weg, der mich manchmal an die Grenzen meiner nervlichen Belastbarkeit brachte.

Unmittelbar nach dem Kauf der Wivamac Maschine bei einem wirklich sehr rührigen Händler kam die Ernüchterung. Leider war es nicht möglich, die Drechselbank vor dem Kauf in Natura anzuschauen. Also kaufte ich sie nach dem vorliegenden Bildmaterial.

Als ich den Reitstock der Maschine sah, wurde mir schnell klar, daß sie so nicht für meine Zwecke zu gebrauchen war.

 

Ich bin auch heute noch davon überzeugt, daß ein solches "Reitstöckchen" nicht auf eine Drechselbank mit 260mm Spitzenhöhe gehört. Auch nicht aus Kostengründen. Bei dieser Spitzenhöhe will ich mit dem Gerät nicht spielen, sondern arbeiten...

Netterweise zeigte sich der Hersteller in Belgien nach dem Kauf voll davon überzeugt, daß diese Drechselbank nicht dazu geeignet wäre, um damit Kugeln mit 40cm Durchmesser zu drehen, wie ich es von Anfang an geplant und kundgetan hatte. Und das bei 260mm Spitzenhöhe, was ja rein rechnerisch 52cm Drehdurchmesser sind.

Der Tatsache, daß ich meinen Unmut im Forum für Drechsler geäußert hatte, ist vermutlich zu verdanken, daß der Hersteller mir den Reitstock des größeren Modells schickte, bei dem es im Gegensatz zum Original Reitstock möglich war, den Rollkörner durch Zurückdrehen der Pinole auszuwerfen.

Ein Standard, der heute übrigens bei annähernd jeder billigen Importbank aus Fernost zu finden ist.

Die Lösung im Original sah ein Austreiben der Werkzeuge nur mittels einer simplen 8mm Metall-Stange vor, was für mich bei sitzender Arbeitsweise mit akrobatischen Verrenkungen verbunden wäre.

Für die Spindelstockseite schickte man mir eine M33 Abdrückmutter, die es mir ermöglichte, im Sitzen arbeitend mit dem Hakenschlüssel statt mit der Austreibstange den Mitnehmer zu entfernen. Eine wirklich professionelle Lösung dieses Problems.

Da die Konstruktion der Maschine ein Drehen des Spindelstocks nicht mit festen Rasten vorsah, wie man es bei fast jeder China-Bank zur wiederholgenauen Ausrichtung sehen kann, schickte man mir einen Doppelkonus in MK2, um den Spindelstock jederzeit exakt fluchtend ausrichten zu können. Bis hierher war trotz anfänglicher Schwierigkeiten alles gut gelaufen.

Als ich dann immer größere Kugeln drehte, wurden Spitzenhöhe und Leistung der Maschine zu gering. Die Spitzenhöhe erhöhte ich mit Hilfe von Zwischenlagen aus Multiplexplatten auf 332mm.

Der Hersteller der Bank erklärte sich bereit, meinen Spindelstock mit 750 Watt Motor und Frequenzumrichter gegen einen mit 1500 Watt und Frequenzumrichter einzutauschen.
Natürlich bei Zahlung eines Aufpreises.

Also fuhr ich nach Belgien in die Provinz Westflandern zum Firmensitz des Herstellers. Auch diese Zusammenarbeit hatte zu meiner Zufriedenheit geklappt.

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Jetzt, im Sommer 2009, mußte auch noch das Bankbett gegen ein größeres ausgetauscht werden. Die endgültige Spitzenhöhe hatte mit 400mm das Maß erreicht, um Kugeln von etwa 70cm Durchmesser zu drehen. Allerdings reichte dazu die Länge des vorhandenen Bankbettes, bzw. die Spitzenweite nicht mehr aus.

Für diese etwas größere Aktion über 350 km Entfernung nach Beernem in Belgien benötigte ich für die Fahrt fremde Hilfe, was die Kosten logischerweise in die Höhe trieb.

Parallel zu diesem Umtausch war mir der Umbau von Antriebsspindel und Reitstockpinole vom vorhandenen Morsekonus der Größe 2 auf MK3 zugesagt worden.

Der Umtausch des Bankbettes ging reibungslos über die Bühne. Der Umbau der Spindel auf MK3 fand nicht statt, weil man voller Vehemenz bestritt, mir dies jemals zugesagt zu haben.

Interessanterweise ging der Geschäftsinhaber sogar so weit, mich der Lüge zu bezichtigen. Eine Tonart, die man diesem ruhig, besonnen und seriös wirkenden Mann nicht auf Anhieb zutrauen würde.

Der Umbau der Reitstockpinole auf MK3 ergab zwar einen sauberen größeren Morsekonus. Allerdings mit dem Schönheitsfehler, daß jetzt der Rollkörner in MK3 erst packt, wenn die Pinole 40mm herausgedreht ist. So bleiben mir von den sonst schon nicht sehr üppigen 100mm nur noch 60mm Pinolenhub.

Das Ergebnis dieses Umbaues kann meiner Meinung nach nur entstehen, wenn der Anbieter nichts vom Maschinenbau versteht, und/oder er sich nicht für die Bedürfnisse seiner Kunden interessiert.

Zu allem Überfluß waren in meinem Reitstock offensichtlich Teile in den etwa 1 1/2 Jahren Gebrauch derart verschlissen, daß sie (natürlich kostenpflichtig) ausgetauscht werden mußten.

Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch, wie in meiner Werkstatt, darf dies nicht passieren. Allerdings wurden mir ausgetausche Teile aus anderen Reitstöcken gezeigt, die noch viel schlimmer aussahen.

Ich persönlich finde es erschütternd, daß dieser Mensch in seiner Eigenschaft als Maschinenlieferant nicht erkennt, daß es sich in diesem konkreten Fall um das Ergebnis einer Fehlkonstruktion handeln könnte. Die Konsequenz wäre eine Änderung der Konstruktion z.B. durch Verstärkung der Bauteile.

So aber wird im Brustton der Überzeugung von Bedienungsfehler der Kunden ausgegangen, in aller Seelenruhe Teile ausgetauscht, und dafür kassiert.

Mir ist nicht klar, ob diese Leute in Bezug auf ihre Produkte immer genau wissen, was sie tun. Auch sind ihnen im kaufmännischen Bereich grobe Fehler unterlaufen.

Ich als Hobbydrechsler hätte allerdings einen Maschinenbauer als Hersteller erwartet, der in vollem Umfang über seine Maschinen Bescheid weiß, und Technik nicht als eine statische Angelegenheit sieht. Ein wirklicher Techniker wäre an der Weiterentwicklung und Vervollkommenung seiner Produkte interessiert. Schließlich erspart ihm das auch Ärger mit Reklamationen.

Überheblichkeit und möglicherweise auch Schwierigkeiten bei der Verständigung, gepaart mit einem ungezügelten Drang nach Gewinnmaximierung schafften ein Klima, das alles Positive aus der bisherigen Zusammenarbeit wegwischt.

Ich persönlich habe das Gefühl, daß es diesen Leuten zu lange zu gut ging. Vollmundig Maschinen anzubieten, die von der Papierform mehr Potential bieten, als der Durchschnitt der Mittelklasse-Maschinen, bringt auch die Verpflichtung, vom Kunden nicht zu erwarten, daß er nur Kugelschreiber damit drechselt.

Gerade die Fähigkeit, auch schwierige Situationen mit dem Kunden zu meistern, zeichnet einen guten Kaufmann aus. Aber alles auf den bösen, überkritischen Kunden zu schieben, der sich erdreistet, die Maschine dafür zu verwenden, wozu sie gebaut wurde, ist einfach nur arm.

Meine jahrelangen Erfahrungen als Kaufmann zeigen, daß Seriosität, kundenorientiertes Denken, Zuverlässigkeit und Flexibilität sich auf Dauer immer auszahlen.

Arroganz und die Gier nach dem letzten Euro sind auch in einem vereinten Europa keine solide Geschäftsbasis.



Fazit: mit diesen Erfahrungen wäre es mir heute völlig wurscht, ob ich mit dem Kauf meiner Drechselbank Arbeitsplätze in Europa sichere, oder nicht.

Dieser Händler in Belgien, der als Hersteller auftritt, sowohl direkt an Endverbraucher als auch über andere Händler verkauft, ist offenbar nur auf "Standard-Fälle" eingerichtet. Dann kann ich mir auch eine China-Bank der gehobenen Kategorie kaufen, und diese ggf. in Eigenregie aufrüsten.

Jedenfalls war das, was ich in Belgien geboten bekam, kein Aushängeschild für europäischen Maschinenbau.

Als Kaufmann hatte ich früher den Spruch:"Mach' den Kunden zu Deinem Fan" gelernt, und das auch ernst genommen. Aber offenbar geht es auch mit Mittelmaß...

Erklärend sollte noch hinzugefügt werden, daß einige Drechselbänke, die in Deutschland gefertigt werden, als Profibänke in einer ganz anderen Liga spielen, und mit Importen nicht zu vergleichen sind...


 
 

© Peter F. Wermeister 2009

www.sitzdrechseln.de